Immersion, Virtual Reality, Augmented Reality. Das ist nur eine Auswahl von Buzzwords, die in der Kommunikationsbranche aktuell aufpoppen. Mein Eindruck ist, dass diese Begriffe nicht sauber genutzt werden und nur im Marketing des jeweiligen Anbieters eine Rolle spielen. Daher freue ich mich, dass Dr. Matthias Hofer mit „Presence und Involvement“ eine Zusammenfassung aktueller wissenschaftlicher Grundlagen veröffentlicht hat.

Immersion und VR endlich wissenschaftlich fundiert erklärt - Rezension zu Presence und Involvement von Matthias Hofer

Matthias Hofer greift in dem Band auf bestehende Studien und Ergebnisse der Forschung zurück. Der Aufbau ist wissenschaftlich. In den Kapiteln geht der Autor über die Definitionen, das Präsenzerleben mit seinen kognitiv-affektiven Grundlagen aus Psychologie, Kommunikationswissenschaften und Philosophie.

Darauf baut Matthias Hofer die methodischen Vorgehensweisen und empirischen Befunde zum Präsenzerleben in „medial vermittelten Räumen“ auf. In dem Band stellt er zudem die Verbindung zum Involvement her.

Immersion nutzt mediale Möglichkeiten

Wenig überraschend sind es Lebendigkeit des Mediums und die Interaktivität Faktoren für die Immersion. Dabei kommt es aber auch auf das Maß an. So können Avatare Unbehagen auslösen, wenn sie eine gewisse Schwelle zur Menschlichkeit überschreiten, der Nutzer aber aufgrund des Verhaltens noch immer ein Fehlhandeln erkennt.

Involvement ergibt sich aus Relevanz

Neben den technologischen Faktoren sind es die Inhalte, die zu Involvement und Presence (Immersion) führen. Presence und Involvement werden durch enge Verbindung zu individuell-subjektiven, aber auch gesellschaftlich relevanten Themen begünstigt. Eng verzahnt ist das Konzept damit zu den Nachrichtenfaktoren, die den Nachrichtenwert ausmachen. Insbesondere in den sozialen Medien ist eine hohe Nähe zu Emotion und Persönlichkeit gegeben.

Chancen für die Kommunikation

Interessant ist für die Praxis die Frage, wie aktiv sich Nutzer mit einem Medium beschäftigen müssen, um Presence und Involvement für den Erfolg der Kommunikation zu nutzen.

Hierbei ist ein entscheidendes Ergebnis: Je höher die Presence (die Immersion) ist, je besser lassen sich Botschaften und Themen platzieren.  Hintergrund ist die eingeschränkte kognitive und emotionale „Abwehrhaltung“ gegenüber dieser Einflussnahme. Ein Beispiel sind neue Sportgeräte mit Datenbrillen, die die körperliche Belastung unmerklich werden lassen. Das Beispiel Icaros zeigt wie:


Je geringer die die Immersion ist, desto eher erkennen Nutzer Themen und Botschaften und können sie bewusst negieren.

Spannende Hintergründe für die PR-Praxis

Auch oder gerade weil der Autor sehr wissenschaftlich vorgeht, ergeben sich nützliche Einblicke für die PR-Arbeit. Die zunehmenden technologischen Möglichkeiten aus Datenbrillen, Apps, Gaming, Chatbots, Avatare, Roboter und 3D-Animationen können eine Rolle für die erfolgreiche Kommunikation spielen.

Wichtig ist dabei das Zusammenspiel zwischen der Strategie, dem sozialen Verhalten und den Relevanzfaktoren der Zielgruppen sowie den Instrumenten und Medien. Der Weg dahin wird in dem wissenschaftlichen Band jedoch nicht erläutert.

Insgesamt bietet Matthias Hofer mit „Presence und Involvement“ spannende Hintergründe für Kommunikatoren, die sich für den Arbeitsalltag adaptieren lassen.

Es gibt vier Scheidtweiler PR-Sterne: Immersion und VR endlich wissenschaftlich fundiert erklärt, Presence und Involvement von Matthias Hofer: 4 Sterne Rezension - Scheidtweiler PR Bremen

 

„Presence und Involvement“ ist im März 2016 in der 1. Auflage beim Nomos Verlag erschienen, hat 123 Seiten und kostet 19,00 EUR.

Über den Autor Dr. Matthias Hofer

Dr. Matthias Hofer (Jahrgang 1980) ist Senior Research and Teaching Associate an der Universität Zürich. Er studierte zuvor Publizistik, Computerlinguistik und germanische Linguistik. Aktuell forscht Matthias Hofer am College of Communication der Michigan State University. Zum Profil des Autors bei der Universität Zürich.

Bildquelle: www.nomos-shop.de


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Über den Rezensenten Nicolas Scheidtweiler

Aktuelle Informationen über den Rezensenten Nicolas Scheidtweiler erhalten Sie auf seinem Google+-Profil. Er studierte in München und Hagen und arbeitet seit 2005 in verschiedenen Funktionen und Bereichen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verknüpfung von praktischen Erfahrungen mit einem Theorie-Fundament. Nicolas Scheidtweiler hat einen Lehrauftrag für Medienplanung und PR-Konzeption an der Hochschule Bremerhaven.