Gerade bin ich auf eine Präsentation der Bremer Kollegin Sandra Lachmann gestoßen. Bei Slideshare zeigt sie auf, inwieweit sich ihrer Meinung nach Journalisten und Blogger unterscheiden. Und sie macht sehr deutlich, dass die Unterschiede aus ihrer Sicht riesig sind. Aber ihr Blick bezieht sich nur auf eine Variante des Bloggens.

Ist also der Unterschied so riesig? Oder hat die Kollegin aus der Blogger-Szene ein völlig falsches Verständnis?

Sandra Lachmann beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Rolle des Bloggers in der Unternehmenskommunikation. In der Präsentation „Nein, Blogger sind keine Journalisten 2.0“ stellt die selbst engagierte Bloggerin Aspekte des Journalisten-Seins denen eines Bloggers gegenüber. Grob geht es dabei um die fachliche Professionalität, die Unabhängigkeit und das Image. Auf den letzten Folien gibt die Kollegin konkrete Hinweise, wie Unternehmen und Organisationen mit Bloggern umgehen sollten. Für sie ist es vor allem die Freiheit, die die Stärke eines Bloggers im Verhältnis zum Journalisten ausmacht. Nach Sandra Lachmann, bloggt dieser aus freiem Willen, ohne finanziellen oder terminlichen Druck. Richtig ist dabei, dass der Blog von der Persönlichkeit des Autors lebt.

Die Präsentation von Sandra Lachmann

Die Frage lautet jedoch: Was ist mit dem Blogger, dessen Job das auch ist?

Die Präsentation unterschlägt meines Erachtens mindestens zwei weitere Arten von Blogs: Die professioneller Blogger und auch die Corporate Blogs. Bei der Zusammenstellung hätte es einer konkreteren Aufteilung nach Branchen und Zielgruppen der verschiedenen Blogs bedurft.

Dadurch wirkt die Darstellung von Sandra Lachmann sehr beliebig beziehungsweise stellt eine explizite Art der Blogger, die ihren Blog nur als Hobby betreiben, dar.

Professionelle Blogger agieren eher wie Journalisten. Sie recherchieren wie diese und suchen zudem Kontaktpersonen, um Hintergrundinformationen zu erhalten. Das geht aus der aktuellen Studie im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV) hervor. In dieser Studie sehen sich die Themenblogger selbst auch eher journalistisch: „In dem untersuchten Verhältnis von Blogs und Journalismus wird klar, dass sich Blogs als neue oder andere Art von Journalismus sehen.“ Damit geht gefühlt ein kleiner Riss durch das Blogger-Universum. Denn das Selbstverständnis und die Rolle in der Medienlandschaft ist nicht klar definiert.

Wo hört also der Journalismus auf und wo beginnt der Blog?

Viele Journalisten agieren wie Blogger und nutzen die sozialen Medien für die Recherche und Kommunikation. Die Echtzeit-Kommunikation ist in den meisten Medien angekommen. Ein Teil der Blogger auf der anderen Seite geht zu Pressekonferenzen, setzt sich redaktionelle Deadlines und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben. Dahingehend ist eine einfache Trennung auch aus Sicht der Unternehmenskommunikation nicht möglich.

Der Hinweis in der Präsentation von Sandra Lachman zum „Erleben“ von Information trifft es im Punkt. Auch Journalisten „erleben“ lieber ihren nächsten Artikel. So sind diese beiden Medienarbeiter nicht zu unterschiedlich.

Media Relations neu entdecken

Für mich öffnet Sandra allerdings den Blick für die besondere Spezies „Privat“ unter den Bloggern. Sie selbst macht mit ihrem persönlichen Wortkonfetti-Blog vor, wie eine Privatperson ihre Sicht auf die Dinge darstellt. Daher hat Sandra gewisse Einsichten in die Gedankenwelt der Blogger.

Diese wiederum fasst sie dann doch sehr gut in ihrer Präsentation zusammen. Private Blogger haben punktuell andere Bedürfnisse als Journalisten und professionelle Themenblogger. Sie haben weniger Zeit und leben nicht von ihrem Schreiben. Sie bloggen eher aus Hingabe und dem Wunsch nach persönlicher Wertschätzung. Damit unterscheiden sie sich von der Mehrheit der Blogger in der genannten Studie des DFJV.

Aufgabe für Unternehmen!

Auch wenn die Darstellung von Sandra Lachmann nur verkürzt ist, gibt sie Anregungen wie Blogger Relations optimiert werden können. Zunächst müssen Unternehmen erkennen, dass Blogger generell ausgezeichnete Partner für Spezialthemen sind. Denn sie haben eine eigene Sichtweise auf die Themen des Unternehmens und können diese für ihre Communities passend aufbereiten. Dahingehend sind Sandra Lachmann und ich einer Meinung: Blogger sollten nicht wie Journalisten 2. Klasse behandelt werden.

Wenn Unternehmen damit die Blogger als Multiplikatoren erkennen, geht es in den zweiten Schritt: Sie in die Media Relations einzubauen. Wie gezeigt sind die Hintergründe der Blogger unterschiedlich – genauso wie die Sichtweise auf die eigene Arbeit. Diesen Bedingungen müssen die Kommunikationsabteilungen Rechnung tragen. Was für Journalisten und Profi-Blogger gilt, muss nicht für die Hobby-Blogger praktikabel sein. Insbesondere letztere benötigen eine individuelle Ansprache und Möglichkeiten außerhalb ihres regulären Berufes Kontakt zu ihren Themen zu erhalten.

Allerdings ist nicht jeder (private) Blogger gleichsam interessant. Die Unternehmen müssen sich im Vorfeld jeden Blog anschauen und bewerten, ob er thematisch passt, sowie die notwendige Qualität und Ausdauer beinhaltet. Denn im Gegensatz zum Journalismus gibt es keine Einstiegshürde, um einen Blog zu betreiben.

Und was denken Sie über die neuen Media Relations?

 


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