Der Arbeitsmarkt verändert sich. Mitarbeiter finden ihre Jobs nicht mehr nur über die alte Stellenanzeige. Es geht heute darum, sich aus der Masse der Bewerber hervorzuheben und sich initiativ zu bewerben. Das Social Web bietet dabei gute Chancen.

Das Buch „Jobsuche im Social Web – Personal Branding mit Blog, Twitter, Pinterest & Co“ von Larissa Vassilian nimmt dieses Thema auf. Es kommt im knappen DIN A5-Querformat daher. Auf der linken Seite finden sich Screenshots von ausgewählten Beispielen im Personal Branding, rechts finden sich die Erklärungen und Tipps. Das gut sortierte Inhaltverzeichnis geht die Schritte von der Darstellung der bekannten Social Media hin zu den zielgerichteten Aktivitäten auf diesen Plattformen. Zum Abschluss gibt es einen Ausblick in das Personal Branding für Freelancer und in die „klassische“ Bewerbung per E-Mail. Am Ende der einzelnen Kapitel finden sich Praxis-Interviews mit erfahrenen Experten.

Sehr gut: Details werden genannt

Positiv hervorzuheben ist, dass Larissa Vassilian auch Details nicht vergisst. Ein Beispiel ist die Erwähnung von Gravatar. Dieser kleine Aspekt wird oftmals unterschlagen. Diese Details lässt die Autorin auch in die vielen kleinen Tipps einfließen. Daneben zeigt die Autorin aktuelle Entwicklungen und neue Plattformen zur Selbstpräsentation (unter anderem about.me) auf. Man merkt, dass sie sich fortlaufend mit dem Thema beschäftigt und auch praktische Erfahrung in den Bereichen Video und Audio hat.

Der Strategie-Aspekt wird ebenfalls nicht vergessen. Larissa Vassilian betont wiederholt, dass sich ein Bewerber über seine Ziele und über die Evaluation der Bewerbung Gedanken machen muss.

Ein paar Schwächen

Das Buch wird wie nahezu alle Bücher im Bereich Social Media von der Gegenwart überholt. So bietet beispielsweise Xing mit seinem neuen Premium viele neue Optionen in der statistischen Auswertung und zielorientierten Nutzung für Jobsuchende. Xing kommt auch gefühlt schlechter weg als LinkedIn. Manche Funktionen des deutschen Businessnetzwerks für das Personal Branding (beispielsweise die Statusmeldungen) werden unterschlagen.

Daneben schleichen sich kleinere Fehler ein. Beispielsweise lassen sich die Boards bei Pinterest doch verschieben (S.  137).

Lieber Ecken im Social Web!

Unterschiedlicher Meinung bin ich bei der Frage, ob ein Jobsuchender jetzt Ecken und Kanten in der Bewerbung im Social Web zeigen soll. Larissa Vassilian zeigt sich dort zurückhaltend. Aus meiner Sicht ist es jedoch die Stärke des Personal Branding via Internet, dass ein Bewerber seine Charaktereigenschaften, spezielle Hobbies und Interessen oder seine religiösen und politischen Einstellungen zeigt. Denn ein Bewerber will das Unternehmen auf sich aufmerksam machen, das zu ihm passt – wo er seine Person nicht verstecken muss. Authentizität ist das Stichwort. Dazu gehört Mut. Das stellt die Gastautorin Christine Dingler (@punktefrau) in ihrem Beitrag ostentativ heraus.

Fazit: Jobsuche erfordert Einsatz

„Jobsuche im Social Web“ beinhaltet alle Facetten, die notwendig sind, um sich als potentieller Mitarbeiter oder Dienstleister für ein Unternehmen zu präsentieren. Das Buch geht über die eigentlichen Plattformen – Xing und LinkedIn – deutlich hinaus. Die Aufgaben für einen Jobsuchenden sind dadurch sehr umfänglich. Die Frage lautet daher: Wer kann und sollte das leisten?

Die Antwort kam von Annik Rubens per Twitter:

 

Aus meiner Sicht geht es ganz speziell um erfahrene Nutzer des Social Web mit einem bestimmten Branchenbezug. Diese Jobsuchenden erfahren inhaltlich jedoch wenig Neues, dafür allerdings gute Hinweise zum Bedarf an Struktur und Methode bei der Jobsuche im Social Web. Diese Form bietet sich im Kern für Branchen an, in denen kommunikative und technische Fähigkeiten gefragt sind. Seriöse Branchen und der Öffentliche Dienst (mit Ausnahme von Xing und LinkedIn) sind – aufgrund meiner persönlichen Berufserfahrung – weniger geeignet für das Personal Branding.

Bei kleineren Fehlern ist „Jobsuche im Social Web“ insgesamt ein nützlicher Ratgeber mit Tipps für Einsteiger und erfahrene Nutzer von Social Media. Dafür gibt es drei Scheidtweiler PR-Sterne: 3 Sterne Rezension - Scheidtweiler PR Bremen

Über die Autorin Larissa Vassilian:

Larissa Vassilian wurde bekannt unter ihrem Pseudonym „Annik Rubens“ als Podcasterin von „Schlaflos in München“. Als Journalistin arbeitet sie unter anderem für den SWR und den Bayerischen Rundfunk. Ihr Fokus liegt auf den Themen Internet, Computer und Neue Medien. Profile im Netz finden Sie bei beispielsweise bei Facebook und Twitter.

Das Buch „Jobsuche im Social Web – Personal Branding mit Blog, Twitter, Pinterest & Co“ ist in diesem Jahr in der 1. Auflage im O’Reilly-Verlag erschienen, hat 277 Seiten und kostet 19,90 EUR.

 

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Über den Rezensenten Nicolas Scheidtweiler

Aktuelle Informationen über den Autor Nicolas Scheidtweiler erhalten Sie auf seinem Google+-Profil. Er studierte in München und Hagen und arbeitet seitdem in verschiedenen Funktionen und Bereichen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verknüpfung von praktischen Erfahrungen mit einem Theorie-Fundament. Nicolas Scheidtweiler hat einen Lehrauftrag für Medientheorie an der Hochschule Bremerhaven.